Was heißt es heute, ›mit Kracauer‹ ins Kino zu gehen? Wie lässt sich in der Linie seines Denkens Gesellschaftsanalyse und Film miteinander verbinden? Die zahlreichen Filmkritiken zum deutschen Kino der Weimarer Zeit, die Kracauer als Redakteur der Frankfurter Zeitung in den 1920er und frühen 1930er Jahren verfasste und auf deren Grundlage er im US-amerikanische Exil seine Filmtheorie entwickelte, bilden bis in die Gegenwart einen Ansatz zur Untersuchung des massenkulturellen und zugleich politischen Mediums des Kinos. Denn für ihn sind in Filmen die gesellschaftlichen Tendenzen einer Zeit eingeschrieben, wenn auch nicht immer offensichtlich. So wie der Film bereits eine ästhetische Bearbeitung der Wirklichkeit ist, so muss auch die Filmkritik eine Perspektive einnehmen, die die emanzipatorischen oder politisch regressiven Momente des Films — des kulturindustriellen und propagan­distischen Kinos genauso wie des experimentellen Kunstfilms — ausdeutet. In diesem Sinne widmet sich die Filmreihe anhand von historischen Filmen als auch neuerer Experimental-, Dokumentar- und Spielfilme Kracauers feinem Sensorium für das Reflexionsmedium Film sowie die gesellschaftlichen Sehnsüchte und politischen Verhältnisse, die darin zum Ausdruck kommen.

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